Blog

Kann Psychologie im Alltag helfen? In meinen Blog-Beiträgen erfahren Sie, wie sie im Berufs- und Privatleben nützlich sein kann.

1. Unvollkommenheit ist keine Schwäche, sondern der Anfang von Echtheit

Brené Brown zeigt: Das ständige Bemühen, perfekt zu sein, führt zu Erschöpfung, Selbstkritik und innerer Distanz.

Emotionales Essen entsteht oft aus denselben Mechanismen wie Perfektionismus:

  • „Ich darf keine Fehler machen.“

  • „Ich muss immer funktionieren.“

  • „Ich darf keine Bedürfnisse haben.“

Wenn Menschen sich erlauben, unvollkommen zu sein, lösen sich viele belastende Muster:

  • Das Essverhalten wird freier.

  • Der Druck sinkt.

  • Essen muss nicht mehr als „Regulator“ dienen.

Unvollkommenheit schafft Raum für Menschlichkeit – und damit für Heilung.

 

2. Scham isoliert – Mitgefühl verbindet

Browns Forschung zeigt: Scham ist eines der mächtigsten Gefühle, die Menschen lähmen. Sie führt zu Rückzug, Verstecken, Selbstkritik.

Im Bereich Essen zeigt sich Scham oft so:

  • „Ich sollte nicht soviel essen.“

  • „Ich habe schon wieder versagt.“

  • „Wenn andere wüssten, wie ich "wirklich" esse…“

Scham verstärkt emotionales Essen, weil sie:

  • Stress erzeugt

  • Trostbedürfnis auslöst

  • Vermeidung fördert

Der Gegenspieler: Empathie und Selbstmitgefühl.

Wer lernt, sich selbst freundlich zu begegnen, braucht weniger kompensierende Essstrategien.

 

3. Verletzlichkeit ist Mut – nicht Gefahr

Brené Brown beschreibt Verletzlichkeit als den Kern von Mut, Kreativität, Verbindung und Heilung.

Viele Menschen essen emotional, weil sie gelernt haben:

  • Gefühle nicht zu zeigen

  • Bedürfnisse nicht auszusprechen

  • keine Belastung sein zu dürfen

Essen wird zum stillen Ausdruck dessen, was man nicht sagen darf.

Verletzlichkeit – z. B. „Ich bin überfordert“, „Ich brauche Unterstützung“, „Ich bin traurig“ – ist ein entscheidender Wendepunkt und eröffnet neue Wege.

 

4. Selbstmitgefühl statt Selbstoptimierung

Brown betont: Echtes Wachstum entsteht, wenn wir uns selbst mit Güte begegnen – nicht mit Härte.

Im Ernährungskontext ist Selbstkritik oft extrem:

  • „Ich muss mich endlich zusammenreissen.“

  • „Ich darf das nicht.“

  • „Ich habe keine Disziplin.“

Diese harten "Selbstgespräche" führen fast immer zu:

  • Frustessen

  • Kontrollverlust

  • innerem Druck

Selbstmitgefühl dagegen:

  • senkt Stress

  • reguliert Emotionen

  • verändert das Essverhalten

Und: es ist eine der wirksamsten Strategien gegen emotionales Essen.

 

5. Grenzen sind ein Akt der Fürsorge, nicht der Kälte

Browns Arbeit zeigt, dass Menschen, die gesunde Grenzen setzen, gelassener, verbundener und selbstbewusster leben.

Viele essen auch emotional, weil sie keine Grenzen setzen können:

  • immer für andere da sein

  • Überforderung

  • kein Raum für Bedürfnisse

  • kein Rückzug, keine Pausen

Essen übernimmt dann die Funktion einer Grenze:

  • „Ich brauche eine Pause.“

  • „Ich halte das nicht mehr aus.“

  • „Ich habe zu viel Verantwortung.“

Wenn echte Grenzen gesetzt werden können, braucht es die „Notlösung Essen“ weniger.

 

6. Dankbarkeit öffnet den Blick für das, was bereits da ist

Brown beschreibt Dankbarkeit als tragende Säule von Resilienz und innerer Ruhe.

Dankbarkeit:

  • reduziert Stress

  • senkt emotionalen Druck

  • stärkt die Selbstwahrnehmung

  • fördert intuitive Entscheidungen

Menschen, die regelmässig Dankbarkeit praktizieren, berichten oft, dass Essen:

  • weniger impulsiv

  • weniger emotional

  • weniger als „Füllung“ der gefühlten Leere genutzt wird

Dankbarkeit schafft innere Stabilität – und diese wirkt direkt auf das Essverhalten.

 

7. Authentizität befreit – das Streben zu gefallen fesselt

Brown zeigt: Wenn wir uns ständig anpassen, verlieren wir den Zugang zu uns selbst.

Viele essen emotional, weil sie versuchen:

  • Erwartungen zu erfüllen

  • niemanden zu enttäuschen

  • Konflikte zu vermeiden

Essen wird dann zum Ventil für alles Unausgesprochene.

Wenn Menschen lernen: „Ich darf sein, wer ich wirklich bin.“

… entspannt sich nicht nur die Psyche, sondern auch das Essverhalten.

 

Fazit: „Die Gaben der Unvollkommenheit“ vermittelt eine zentrale, tief heilende Botschaft: Wir müssen nicht perfekt funktionieren, wir dürfen einfach Mensch sein.

 

Für Menschen mit emotionalem Essverhalten kann dies lebensverändernd sein:

  • weniger Scham

  • mehr Selbstannahme

  • bessere Emotionsregulation

  • klarere Grenzen

  • authentischer Ausdruck

Dadurch verliert Essen seine Rolle als Trost, Betäubung oder Stressregulation und wird wieder das, was es sein darf: Nahrung für den Körper – weil Geist und Seele zur Ruhe gekommen sind.